BNE in der Bildungspraxis

Logo der Kampagne "Schule-der-Zukunft" angemeldet. Grafik: NUA

BNE ist ein konzeptioneller Bildungsansatz, der Themen und Fragestellungen in neue Zusammenhänge stellt und bestehende Fächer- und Disziplingrenzen überschreitet. Bildung für nachhaltige Entwicklung als umfassendes Bildungskonzept bildet damit eine Klammer und bietet Orientierung für alle Bildungsbereiche.
BNE basiert auf der Lern- und Innovationsbereitschaft von Menschen und Institutionen und fußt auf der aktiven Teilhabe aller am Bildungsprozess Beteiligten.
BNE-Prozesse sind dann besonders wirksam, wenn Lernen und Handeln miteinander verknüpft sowie Diversität und ein anderes Handeln direkt erlebt werden können. Dies gelingt, wenn pädagogische Einrichtungen sich unter der Perspektive einer nachhaltigen Entwicklung als Institution weiterentwickeln und verändern, wenn sie sich zur örtlichen und regionalen Umgebung öffnen, Bildungspartnerschaften eingehen und sich in Netzwerken im Quartier und darüber hinaus zusammenschließen und austauschen. Das bedeutet beispielsweise: Energie- und Ressourcensparen im Einrichtungsalltag, fair gehandelte Produkte und ein Blick auf gesunde Ernährung in Kiosk oder Kantine und vielfältige Bildungskooperationen mit außerschulischen Partnerinnen und Partnern sowie nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen vor Ort. Gelebte internationale Partnerschaften schärfen zudem den notwendigen Blick für transnationale Zusammenhänge und Fragen globaler Gerechtigkeit. Die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung sollten sowohl in pädagogischen Leitlinien wie auch in betrieblichen Abläufen und dem Personalwesen verankert sein.
Es gilt daher, den Anspruch nachhaltigen Handelns im Sinne eines gesamtinstitutionellen Ansatzes möglichst auf die Bildungseinrichtungen im Ganzen zu beziehen.
Weiterhin besteht die zentrale Herausforderung, Nachhaltigkeit neben Demokratie, Prävention und gesellschaftlicher Inklusion im weitesten Sinne als Leitbild für pädagogische und institutionelle Entwicklung zu verankern und die für eine zukunftsfähige Gesellschaft grundlegenden Inhalte, die hinter diesen vier Begriffen stehen, miteinander zu verknüpfen.

Junge Menschen sollen schon früh die Kompetenz erwerben können, ihre Entscheidungen im Spannungsfeld von ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimensionen zu treffen und systemische und globale Zusammenhänge zu beachten. Wofür setzen wir die Produkte unserer Landwirtschaft ein, für Nahrungsmittel oder als Energieträger? Welche Auswirkungen hat diese Entscheidung auf die Bekämpfung des Hungers in der Welt, auf die Umwelt und die Wirtschaft? Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) möchte Menschen in die Lage versetzen, eine nachhaltige Entwicklung mitzugestalten und für eine „gerechte Zukunft für alle“ einzustehen.
Kinder und Jugendliche nehmen die Widersprüche zwischen (welt-)politischer Realität und schulischer Projektidee bewusst wahr. Fast jede Tagesschau vermittelt ihnen heute den Eindruck einer eher wenig nachhaltigen Welt. Armut, die Folgen des Klimawandels, das Elend von Flüchtlingen, Wassermangel und Hunger, Unterdrückung der Meinungsfreiheit, politischer Extremismus, militärische Interventionen und terroristische Anschläge – all dies sehen auch Kinder und Jugendliche Tag für Tag. Sie erleben eine Welt, die mitzugestalten immer schwerer zu werden scheint.
BNE zeigt Möglichkeiten auf, sich mit diesem Komplexitätsdilemma auseinander zu setzen.
Hierzu eignen sich vor allem Methoden, die individuelle und selbstbestimmte Lernwege eröffnen wie beispielsweise solche, die an der natürlichen Neugier von Lernenden ansetzen, aktivierend wirken und das kooperative Lernen in Gruppen unterstützen. Lehrende ermöglichen, begleiten und fördern diese Lernprozesse und schaffen Lernarrangements, die den individuellen Aufbau von Kompetenzen ermöglichen. Sie verstehen sich als Mitlernende, nehmen selbst Anteil und wachsen an den gemeinsamen Lernverläufen.